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ANNETTE SEILTGEN
Sopran

Tristan und Isolde (R. Wagner)

Landestheater Niederbayern, M.L: Basil H. E. Coleman, Regie: Stefan Tilch


DAS OPERNGLAS, Juni 2016
von J.M. Wienecke


„Annette Seiltgen zeigte Präsenz von Beginn an und überraschte mit perfekt sitzendem Sopran, der sich den emotionalen Ausbrüchen mühelos gewachsen zeigte, der auch im Piano gut ansprach und nicht zuletzt mit deutlicher Artikulation zu punkten wusste. Die auch an größeren Häusern gut gebuchte Künstlerin verinnerlichte die Rolle mit nie nachlassender Intensität und psychologischer Durchdringung im Spiel.“

Fremd (H. Thomalla)

Staatstheater Stuttgart, M.L: Johannes Kalitzke, R: Anna Viebrock


OPERNWELT, August 2011
von Uwe Schweikert


„Großartig schließlich die musikalische Realisierung. Annette Seiltgen brachte das Kunststück fertig, den extrem auseinanderdriftenden vokalen Seiten Medeas – den Geräuschartikulationen der noch Undomestizierten wie den Belcanto-Fiorituren der Fremdbestimmten – gleichermaßen gerecht zu werden und aus den Widersprüchen eine schlüssige Figur zu formen.“

Salome (R. Strauss)

Theater Münster, M.L. Fabrizio Ventura, R: Georg Köhl


MÜNSTERSCHE ZEITUNG, 21.5.2013
„Die missbrauchte Salome“ – von Sabine Müller


„Samtenes Pianissimo – Annette Seiltgen schafft es, ihre schwierige Partie von Anfang bis Ende mit klangschönem Volumen zu füllen, ihr gelingen volle, helle Spitzentöne, sie erreicht als ehemaliger Mezzosopran auch dunkle Tiefen, sie zeigt ein wunderbar samtenes Pianissimo – und all das bei bester Textverständlichkeit. Eine famose Leistung.“

WESTFÄLISCHE NACHRICHTEN, 21.5.2013
„Armes blutrünstiges Mädchen“ – von Harald Suerland


„Sopranistin Annette Seiltgen … gestaltet mit zwei Tänzern diese Choreografie so überzeugend, als sei das ihre ureigene Aufgabe. Dabei gelingt ihr sängerisch etwas Staunenswertes: Sie präsentiert Passagen wie „Gewiss ist er keusch wie der Mond“ oder „das Geheimnis der Liebe …“ so lyrisch-sanft, dass man ihr auch im Klang die Liebessehnsucht der jungen Prinzessin abnimmt. Und sie hat zugleich stimmliche Reserven, die ihren Schlussgesang leuchtend über das große Orchester strahlen lässt. Klasse.“

Salome (R. Strauss)

Staatstheater Mainz, M.L: Catherine Rückwardt, R: Matthias Fontheim


FAZ, 11.4.2010
„Die Herrscherin der Spiegelwelt“, von Benedikt Stegemann


„Annette Seiltgen gelingt es auch bei dynamischen Spitzen, mit ihrem leuchtkräftigen
Sopran vernehmbar zu bleiben. Ihre besondere Leistung liegt freilich darin, die
widersprüchlichen Aspekte der Titelfigur mit artistischer Beweglichkeit und mimischer
Eloquenz zur Entfaltung zu bringen. Die grenzenlose Energie, mit welcher ihre Salome
sich in einer verweichlichten Umwelt für die Verwirklichung ihres Wunsches einsetzt, lässt
nichts anderes als Bewunderung zu.“ (Mehr...)

Alte Heimat – Neue Heimat (Strauss, Korngold, Weill)

Liederabend Konzertverein Ingolstadt, Piano: Jan Gerdes


DONAUKURIER INGOLSTADT, 6.11.2014
„Ein Stück Zeitgeschichte“, von Jörg Hanstein


„Ja, dieses Konzertprojekt von Seiltgen und Gerdes ist eine Zeitmaschine, die Geschichte
magisch nah heranholt.“ (Mehr...)

Prächtig hebt sich das Kleid der Sängerin ab vom schwarzen Steinway: ein samtenes Rosenrot, drapiert zu majestätischem Faltenwurf. Ein klassischer Liederabend steht zu erwarten im Festsaal. Aber Annette Seiltgen hat mehr vor, sie will zwei völlig verschiedene Ästhetiken des Liedes gegenüberstellen, und auch ein Stück Zeitgeschichte auf die Bühne bringen: das Thema Emigration zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus. „Alte Heimat ─ Neue Heimat“ lautet das Motto.

Musikalisch waren gerade die „RoaringTwenties“ sehr aufregend. Amerika rückte in den Blick, das deutsche Kunstlied geriet ins Abseits. „Vom Privatier der ausgedrückten Gefühle“, so resümierte 1928 der Musikphilosoph Theodor W. Adorno, „will man nichts mehr wissen; ein Kollektiv aber, das andere Lieder als Schlager zu singen gedächte, gibt es nicht. So scheinen dem Liede alle Wege gleichermaßen versperrt“. Der Spätromantiker Erich Wolfgang Korngold, bekannt für seine Hollywood-Filmmusiken, sang dennoch weiter von „Mondenschein“ und „ewgenMelodeien“. Annette Seiltgens zum dramatischen Sopran gereifte Stimme vermag diese Nachblüte des Kunstliedes trefflich zum Leben zu erwecken, mit schwingendem Vibrato, großen melodischen Bögen und deckenden Farben. Jan Gerdes begleitet mit sicherem Gespür für Korngolds raffinierte Harmonik. Wirklich berührend klingen diese Lieder aber nur, wenn Seiltgen ihr Organ zu lyrischer Zartheit zurücknimmt, was ihr für eine „Dramatische“ berückend gut gelingt.
„Das Rosenband“, „Ständchen“, „Freundliche Vision“: Diese und andere Lieder von Richard Strauss sind dagegen noch immer Hits im Konzertsaal. Sopranistinnen, die sich daran wagen, haben von Elisabeth Schwarzkopf bis Diana Damrau illustre Konkurrenz ─ hinter der sich aber Annette Seiltgen keineswegs verstecken muss. Unterstützt von einer eleganten Gestensprache verkörpert sie die weltenferne Ausdruckswelt des Fin de Siècle so plastisch, als ob eine Figur Gustav Klimts aus dem Bild gestiegen sei. Ihre reiche Stimme schmiegt sich perfekt an die preziösen, zwischen Melodie und Deklamation changierenden Phrasen, an Gerdes‘ duftig belebten Klavierpart. Aufregend, wie sich etwa ein „schlummerte“ leise ins Dunkel bettet, wie sich ein „mildes blaues Licht“ zusammenzieht zu einem feinen, glimmenden Faden aus Klang. Und in der ekstatischen „Jugendlust“ von op.19, Nr.4 ist schon etwas von Wagners Isolde zu spüren, die Seiltgen jetzt anpeilt. Ein grandioser Strauss.
Doch wie würden nun die Songs von Kurt Weill klingen? Der war ja, gegen Adornos Verdikt, einen anderen Weg gegangen, eben hin zum Kollektiv und seinem Schlager. Nach seiner Emigration bediente er erfolgreich auch den New Yorker Broadway. Für diesen Teil des Konzerts wechselt Seiltgen gewissermaßen die Inszenierung Sie trägt jetzt ein kleines Grünes, stellt sich kess in Pose oder lümmelt sich auch mal an den Flügel. Schauspielerisch gekonnt – man merkt ihr Theaterblut ─ schlüpft sie in die Rolle einer Chanteuse im Cabaret. Die Texte im bewusst schnoddrigen Jargon sind geradezu eine Absage an die ewige, romantische Liebe ─ „das Gefühl wird erstaunlich kühl“ ─, aber vor allem die Chansons gehen in Seiltgens Interpretation fast schaurig ans Herz. Die Sopranistin verleugnet auch nicht, wo sie als Nanna oder Erna Schmidt auftritt, ihre klassische Ausbildung: Sie bringt diese abgebrühten, vom Leben gebeutelten Frauen mehr stilisiert als realistisch auf die Bühne. Aber sie kann ihre Stimme durchaus harsch, sarkastisch oder schwadronierend einfärben, und im „Bilbao Song“ kann man sie geradezu an der Bar hinter einem halbleeren Brandy sitzen sehen, alten Zeiten nachhängend. Ja, dieses Konzertprojekt von Seiltgen und Gerdes ist eine Zeitmaschine, die Geschichte magisch nah heranholt. Begeisterter Applaus im Konzertverein.