Liederabend „ALTE HEIMAT – NEUE HEIMAT“

Lieder von Korngold, Strauss und Weill
Pianist: Jan Gerdes
5. November 2014     Konzertverein Ingolstadt

Kurt Weill (1900–1950), Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) und Richard Strauss (1864–1949): drei Menschen, deren Leben und künstlerisches Schaffen stark durch Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg beeinflusst wurde.

Weill und Korngold, beide jüdischer Herkunft, emigrierten in die USA und waren dort sehr erfolgreich. Während sich Korngold nach dem Krieg wieder der „ernsten“ Musik widmete und auf die Anerkennung der „alten Welt“ hoffte, wollte Weill nicht mehr als deutscher Komponist bezeichnet werden. Er hatte seine neue Heimat gefunden. Seine facettenreiche Musik wurde leichter, optimistischer, spiegelte das Lebensgefühl der damaligen amerikanischen Gesellschaft wider.
Richard Strauss, bürgerlicher Herkunft und hoch angesehen, war bei der Machtergreifung bereits 68 Jahre. Seine öffentliche Rolle während der NS-Zeit ist umstritten. Einerseits wurde er Präsident der Reichsmusikkammer und komponierte für Großveranstaltungen, andererseits fiel er beim Regime in Ungnade durch seinen Kontakt mit Stefan Zweig und die Unterstützung der Familie seiner jüdischen Schwiegertochter. Bis zu seiner Oper „Elektra“ (1909) war er mit seiner Musik bis an die Grenzen der Tonalität vorgedrungen. Er verfolgte diesen Weg jedoch nicht weiter und wandte sich in seinem Opernschaffen heiteren und antiken Stoffen zu. Seine Lieder aus den frühen Jahren sind eine feinsinnige Vertonung menschlicher Gefühlswelten. Nicht umsonst spricht man von der weltentrückten „Strauss’schen Seligkeit“.